| Die
verschiedenen Bildgruppen bei Vera Leutloff (Eva Müller-Remmert, 2002) |
||
| "ICH
SEHE ETWAS UND ERKENNE DEN FARBRAUM", Zu den Gemälden von Vera
Leutloff (Tayfun Belgin, Januar 2002) |
||
| Die
verschiedenen Bildgruppen bei Vera Leutloff (Eva Müller-Remmert / Ausstellungskatalog Galerie Neher 2002) |
||
| Netze und Vorbei-Netze | Alpen | Vorbei | Gräser, Blätter und Stauden | Stangen | ||
Netze
und Vorbei-Netze |
||
| Vera Leutloffs
Netze sind eng mit den Stangen und den Vorbei-Bildern verwandt. Ihr Bildraum
besteht aus vergrößerten Verläufen, die ebenfalls in vielen
anderen Bildgruppen vorkommen. Dagegen handelt es sich bei dem Bildraum
der Vorbei-Netze um zum Teil ausschnitthaft vergrößerte Vorbei-Bilder.
In allen Netz-Bildern wird der Raum durchzogen von sich gespinstartig
ausbreitenden "Fäden". Bei dieser Struktur handelt es sich
nicht eigentlich um Linien, sondern um Pinselstriche, die in exakt ausgeführter
Geste und unter hoher Konzentration den Bildraum dynamisch durchdringen.
Dabei entsteht wiederum optische Verunsicherung, da beispielsweise die
Stangenlemente sowohl als plastisch greifbare und feste Objekte wahrgenommen
werden wie auch als sich öffnende, undendlich erscheinende sphärische
Räume. Abb. rechts: "Netz: Vertikal: Grünlack, Paynesgrau, Zinnobergrün" 1998 Öl auf Leinwand, 100 x 160 cm (mehr Bilder) |
![]() |
|
Alpen |
||
| Vera Leutloffs
Alpen sind ebensowenig abbildhaft wie ihre gegenstandslosen Stangen-,
Netz- oder Vorbei-Bilder. Da sie jedoch auf den ersten Blick als Darstellungen
realer Landschaften erscheinen, rufen sie bei weiterem Betrachten eine
weitaus größere Fremdheit hervor: Lichtsituation und Perspektive
sind nicht real, sondern synthetisch und ohne Luftperspektive mit der
uns bekannten Unschärfe und den blasseren Farben in der Tiefe des
Raumes. Das Auf und Ab der Bergstrukturen verläuft rhythmisch und
ohne größere Brüche. Diese Berge sind nicht die Alpen,
sondern von der Künstlerin malenderweise generierte Strukturen, die
wir als Berge wiederzuerkennen vermeinen. Denn sie sprechen unsere Erinnerung
an und führen uns zudem mit ihrem Titel in die Irre. Einmal dort
gelandet, führt kein Weg aus dem Dilemma, aus dieser Falle unserer
eigenen Assoziationen. Wie anders würde man diese Bilder wohl sehen,
wenn man keine Berge kennen würde? Abb. rechts: "Alpengipfel", 1999 Öl auf Leinwand, 170 x 60 cm (mehr Bilder) |
![]() |
|
Vorbei |
||
| Vera Leutloffs
Vorbei-Bilder bestehen aus übereinander gestaffelten Farbstreifen,
die sich vertikal gegeneinander abgrenzen, horizontal jedoch rhythmisch
von anderen Farbsqquenzen durchdrungen werden. Der Betrachter fühlt
sich insbesondere auch durch die Bildtitel in seinem Eindruck bestätigt,
dass es sich um eine besondere Art der Darstellung beobachteter Realität
handelt, da die Farbzusammenstellungen Assoziationen oder gar Erinnerungen
an selbst Erlebtes oder Gesehenes wachrufen. Dabei thematisiert der Titel
"Vorbei" das rasche Verwischen, das schnelle Vorüberziehen
des Wahrgenommenen. Vera Leutloff fügt verschiedenfarbige Erinnerungshorizonte
aneinander und macht aus der Aneinanderreihung zahlreicher subjektiv wahrgenommener
Sinneseindrücke ein objektiv vermittelbares Seherlebnis. So verbinden
sich die einzelnen momenthaften Farblandschaften zur einzigartigen und
typischen Farbharmonie des jeweiligen Vorbei-Bildes. Abb. rechts: "Vorbei: Jagd", 2000 Öl auf Leinwand, 140 x 140 cm (mehr Bilder) |
![]() |
|
| |
||
Gräser,
Blätter und Stauden |
||
| Vera
Leutloffs Pflanzen generieren sich in ganz ähnlicher Weise wie ihre
Alpen allein aus der Geste und Dynamik des Pinselstrichs. Dies ist vor
allem bei nahem Hinsehen nachvollziehbar, da der Farbauftrag durch die
Pinselstruktur noch erkennbar ist - was von weitem übrigens den gegenteiligen
Effekt einer organisch wirkenden Erscheinung erzielt. Alle Blattformen
sind zudem in gleicher Frontalität zu sehen, Andersartigkeit, "natürliche"
Abweichung kommt hier nicht vor. Alles "gedeiht" in zunehmend
irritierender Gleichförmigkeit und Ebenmäßigkeit, unbeeinflußt
durch äußere Umstände. Vera Leutlofffs irreale Pflanzenwelt
offenbart am deutlichsten die Gemeinsamkeiten unserer Realität und
ihrer künstlich geschaffenen "parallelen" Welt: Scheinbare
Ordnung und rational kontrollierte Schöpfung bergen gleichermaßen
Verunsicherung und Unfassbarkeit in sich wie die uns vertraut erscheinende
chaotisch-reale Welt. Abb. rechts: "Grünen: Blätter", 2001 Öl auf Leinwand, 60 x 60 cm (mehr Bilder) |
![]() |
|
Stangen |
||
| Vera
Leutloffs Stangen wirken metallisch kalt und greifbar plastisch. Sie
sind zu mehr oder weniger einfach durchschaubaren Strukturen miteinander
verwoben, oder sie staffeln sich in nur schwer nachvollziehbarem Schema
derart hintereinander, dass sie einen in seinen Dimensionen nicht fassbaren
Raum zu bilden scheinen. Diese Raumwirkung wird vor allem durch das
Licht hervorgerufen, das bei Vera Leutloff nicht aus einer bestimmten
Richtung kommt, sondern jeder einzelnen Stange zu eigen ist. Jede Stange
erstrahlt gleichermaßen frontal und in ihrer ganzen Länge
in gleichmäßig starker Helligkeit. Auch werfen die Stangen
keine Schatten - das Licht durchdringt Objekte und Raum. Dazu kommen
fehlende Größen- und Farbperspektive. Alle Stangen erscheinen
in Hinter- und Vordergrund gleich breit und trotz offenbar großer
Entfernung ebenso farbintensiv. Als Betrachter erliegt man dem optischen
Verwirrspiel: Raumtiefe oder Flächenmuster, Stangen oder Bänder?
Der Blick irrt umher in einem irrealen Raum, in einer "parallelen
Welt" (Vera Leutloff), die sich jenseits von allem Vertrauten befindet
und in der man den Boden unter den Füßen zu verlieren glaubt. Abb. rechts: "Code", 2000 Öl auf Leinwand, 230 x 130 cm (mehr Bilder) |
![]() |
|